Dieser einleitende Artikel soll über den „Stand der Dinge“ in Sachen Diakonat der Frau in der (katholischen) Kirche informieren. Dieser „Stand“ ist aber derzeit alles andere als „stehend“, sondern eher sehr dynamisch mit unterschiedlichsten Facetten. Um ein einigermaßen vollständiges Bild zu bekommen, müssen gleichsam Spots auf verschiedene Ebenen und Bereiche gerichtet werden: Zum Beispiel auf die Situationen in den vielen Ortskirchen, die jeweils für sich wiederum in eine bestimmte kulturelle Umgebung eingebunden sind; ebenso aber auf die Entwicklungen, die sich auf Initiative von Papst Franziskus in Rom in den letzten Jahren ereignet haben und die laufenden Bemühungen im Rahmen der weltweiten Synode. Dann ist da der theologisch-wissenschaftliche Diskurs, der international in Publikationen und auf Kongressen geführt wird – genauso aber auch die Diskussionen, die sich an der Basis der Kirche in Pfarrgemeinden, Vereinen, Verbänden, Initiativen etc. abspielen …. Allein dies wäre schon komplex genug, und trotzdem lohnt auch ein Blick über den Tellerrand in die (Schwester-)Kirchen der christlichen Ökumene. All dies wollen die folgenden Zeilen versuchen: eine Entflechtung eines komplexen Geschehens. Sie können lediglich eine Momentaufnahme sein, die aber helfen kann, die Beiträge dieses Heftes in eine Art geistige Landkarte einzuordnen. Weltkirchlich stellt sich die Momentaufnahme durchaus heterogen dar. Grund für diese Heterogenität ist natürlich zuerst die Realität des Ständigen Diakonats vor Ort überhaupt und sein Bekanntheitsgrad ebendort. Zudem aber hängen die Intensität der Thematisierung einer möglichen Zulassung von Frauen zur Diakonatsweihe, die Ausrichtung der Diskussion und die Diskussionsteilnehmer*innen auch mit der gesellschaftlichen Stellung der Frau in dem jeweiligen kulturellen Umfeld zusammen. So wird das Thema auf dem Synodalen Weg in der deutschen Ortskirche breit und auch prominent diskutiert (s. u.). Ebenso hat die Amazonas-Synode vom 6.-27.10.2019 in Rom gezeigt, dass auch für ihre pastorale Situation geweihte Diakoninnen ausgesprochen wichtig wären. Ähnliches lässt sich vereinzelt aus dem asiatischen Raum vernehmen, anders ist dies jedoch in den afrikanischen Ländern – wo auch der Ständige Diakonat für Männer kaum verbreitet ist.
» Der „Stand der Dinge" ist derzeit alles andere als „stehend", sondern sehr dynamisch. «
Exemplarisch für die Ursprünge dieser Diskussion in der jüngeren Zeit kann die Situation in Deutschland stehen. Hier ist der Gedanke einer Zulassung von Frauen zur sakramentalen Diakonatsweihe bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) aufgekommen und war danach konkret von den deutschen Bischöfen nach der Würzburger Synode 1971-1975 als Votum an den Vatikan formuliert worden. Seither ist das Ringen um diese Frage nicht mehr zur Ruhe gekommen. Ähnliche Voten von Synoden aus nahezu allen Erdteilen wurden nach Rom gesandt. Sie alle sind – bis heute – unbeantwortet geblieben.Link zu Fußnote Nr. 1 Ausdrücklich äußerte sich das römische Lehramt immer nur zum Priestertum der Frau (1976, Inter insigniores und 1994 Ordinatio sacerdotalis). Jedoch gerade immer dann, wenn eine lehramtliche Äußerung des Vatikan zum Ausschluss von Frauen von der Priesterweihe veröffentlicht wurde, war dies ein Startschuss für eine intensivere Beschäftigung mit dem Diakonat – so besonders deutlich im Nachgang zur Veröffentlichung des apostolischen Schreibens „Ordinatio sacerdotalis“ von Papst Johannes Paul II. im Mai 1994. Eine Folge war, dass ein Team von Wissenschaftler*innen um Prof. Peter Hünermann/Tübingen die Planungen für einen Internationalen Fachkongress zum Diakonat der Frau aufnahm, der im Jahr 1997 etwa 300 Teilnehmer*innen versammelte. Er fand zwar in Deutschland (Stuttgart- Hohenheim) statt, war aber von der Besetzung der Referent*innen und von den Teilnehmer*innen her international angelegt. Im gleichen Jahr gründete sich in Deutschland – ähnlich wie in anderen Ländern – der gemeinnützige Verein „Netzwerk Diakonat der Frau“. Dieser machte sich zur Aufgabe, Kräfte im Land zu bündeln und nach dem Vorbild der Diakonatskreise um Hannes Kramer lange vor dem Konzil auch Frauen in Diakonatskreisen quasi in vorauseilendem Gehorsam auf dieses Amt vorzubereiten.Link zu Fußnote Nr. 2
Der Internationale Fachkongress hatte einen wichtigen Beitrag zur weiteren theologischen Klärung leisten können, eine Antwort auf die Anfragen nach einer Zulassung von Frauen zum Ständigen Diakonat hatte auch er jedoch nicht erwirken können: Lange tat sich von lehramtlicher Seite in Rom nichts. Explizite Erklärungen zur (Un-) Möglichkeit einer Diakonatsweihe für Frauen wurden nicht ausgesprochen – bis im Jahr 2016 eine weltweite Versammlung von 900 Ordensoberinnen Papst Franziskus bat, diese Frage zu prüfen – im Grunde eine Wiederholung der Voten aus aller Welt. Papst Franziskus hörte zu, nahm diese Bitte auf und ließ eine Kommission einsetzen, die klären sollte, ob es in der Kirchengeschichte sakramental geweihte Diakoninnen gegeben habe, gleich den männlichen Diakonen.Link zu Fußnote Nr. 3 Diese Kommission wurde erstmals sehr bewusst paritätisch mit Männern und Frauen besetzt und ebenso gleichgewichtig mit solchen, die diese Frage bekanntermaßen positiv und solchen, die sie negativ beantworteten. Über ihre Arbeit legten diese Kommissionsmitglieder einen Bericht vor, der die beiden verschiedenen Positionen wahrheitsgetreu darlegte, aber dem Papst keine Entscheidungshilfe bot.Link zu Fußnote Nr. 4
Zeitlich parallel zur Arbeit dieser Kommission wurde das Thema erneut auf wissenschaftlicher Seite beleuchtet. Im Jahr 2017, also 20 Jahre nach dem Stuttgarter Fachkongress, kamen 120 Teilnehmer*innen zu einem Kongress in Osnabrück zusammen, der nicht nur international, sondern außerdem ökumenisch angelegt war. Auch inhaltlich wurde die Thematik geweitet, nun auf die Zulassung von Frauen zu allen Ämtern, und zwar mit Perspektiven und Diskussionsbeiträgen aus allen christlichen Konfessionen. In den 7 Thesen, die dort am Ende einer intensiven wissenschaftlichen Beschäftigung mit den verschiedensten Facetten des Themas formuliert wurden, wird ausdrücklich erklärt: „Nicht der Zugang von Frauen zu den kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss“ (These 3). Und als Selbstverpflichtung wurde formuliert: „Wir werden weiterhin theologische Beiträge zu der erforderlichen Differenzierung zwischen der Öffnung des Diakonats und anderer Ämter für Frauen innerhalb des einen (sakramentalen) Ordo leisten. Der Diakonat als Amt für Männer und Frauen verstärkt die diakonale Grundausrichtung der Kirche.“Link zu Fußnote Nr. 5 Anhand der Vorträge und Workshops war deutlich erkennbar und erlebbar, wie ähnlich doch die Situation und die Argumentation in den unterschiedlichen christlichen Kirchen ist; auch die Vertreterinnen der protestantischen Kirchen beklagten, dass sie als Frauen in ihren Kirchen noch einen weiten Weg zur vollen Akzeptanz, insbesondere in Leitungsfunktionen der Kirche, haben. Beteiligt waren auch Frauen, darunter Diakoninnen, verschiedener protestantischer Kirchen und der altkatholischen Kirche, ebenso Vertreterinnen aus den Ostkirchen. An dieser Stelle macht es Sinn, einen Spot auf die orthodoxe Welt zu werfen. Der Blick in die Ostkirche ist deshalb besonders interessant, weil in einem römisch-katholisch/orthodoxen Dialogdokument von 1988 festgehalten ist, dass die beiden Kirchen „in allen wesentlichen Punkten, die die Weihe betreffen … eine gemeinsame Lehre und Praxis“ vertreten.Link zu Fußnote Nr. 6 In den Kirchen der Orthodoxie wird die Einführung des Diakonats der Frau schon lange diskutiert (vgl. Rhodos 1988). In den letzten Jahren konnten sogar einige Diakoninnenweihen vermeldet werden, und zwar einerseits 2017 in der griechischen Orthodoxie, näherhin im Kongo, sowie im Jahr 2017 durch die altorientalische armenischapostolische Kirche. Der Weihe im Kongo war vorausgegangen, dass das griechischorthodoxe Patriarchat von Alexandrien 2016 sich für die Aufnahme der altkirchlichen Praxis der Weihe von Diakoninnen entschieden hatte. In der armenisch-apostolischen Kirche sind die Bestrebungen schon seit längerer Zeit zu vernehmen, jedoch ist die gesellschaftliche Stellung der Frau nicht so, dass ein solches Amt von Frauen selbst nachgefragt wäre. Dennoch konnte der armenische Erzbischof Sebouh Sarkissian von Teheran eine junge Frau 2017 zur Diakonin weihen. Ähnliches ist aus anderen Teilen der armenisch-orthodoxen Kirche bekannt, auch aus der chaldäischen Kirche. In anderen orthodoxen und altorientalischen Kirchen gibt es eine solche Praxis jedoch nicht.Link zu Fußnote Nr. 7
» Die Ostkirche ist interessant, weil beide Kirchen „in allen wesentlichen Punkten, die die Weihe betreffen … eine gemeinsame Lehre und Praxis" vertreten. «
Immer wieder wird in der Orthodoxie argumentiert, dass es sich um keine Neueinführung handele, sondern das Amt lediglich „außer Gebrauch“ gekommen sei und nun wieder belebt werde. Gleichwohl muss bedacht werden, dass die Rolle der Diakonin eine nahezu ausschließlich liturgische ist. Das wird umso verständlicher, wenn man einbezieht, dass die Liturgie in einem weitaus bedeutenderen Maße konstitutiv für die Orthodoxie ist als im westlichen Teil der Christenheit – man spricht hier gerne von einer „liturgischen Ekklesiologie“ bzw. „liturgischen Theologie“. Besonders interessant ist dabei wiederum, dass die Abgrenzung zwischen den beiden Ämtern Priestertum und Diakonat so scharf ist, dass auch die Aufgaben des Diakons/der Diakonin nicht von einem anderen Kleriker übernommen werden können, wenn er oder sie nicht da ist. Diese Aufgaben entfallen in der Liturgie dann ersatzlos. Insofern ist die Vorstellung, der/die Diakon/in sei ein „half priest“ oder „stepping stone“ zum Priestertum, der orthodoxen Tradition zutiefst fremd. Umgekehrt gehört zum Kontext der Orthodoxie ebenso, dass die Frage nach dem Priestertum der Frau sich dort so gut wie nicht stellt – sie ist in sich absurd. Der Grund liegt in einer Theologie der Typologien, bei denen zum Beispiel Christus Typos des Priestertums ist und von daher her per se an den Mann gebunden. Der Diakonat wird typologisch mit dem Hl. Geist assoziiert. Somit trifft die Frage des Priestertums der Frau in die Mitte orthodoxer soteriologischer (erlösungstheologischer) Lehrinhalte, die Frage nach dem Diakonat jedoch nicht. Statt dessen kann tatsächlich auf eine reiche ostkirchliche Tradition von Diakoninnen zurückgegriffen werden.Link zu Fußnote Nr. 8 Erstaunlich ist die Wiederbelebung des Diakoninnenamtes dennoch, wenn man bedenkt, dass die Kirchen der Orthodoxie sich im Wesentlichen vom Ursprung her im semitisch-islamischen Kulturkreis bewegen, in denen Fragen kultischer Reinheit eine wichtige Rolle spielen und die ostkirchliche Diakonin zugleich einen hauptsächlich liturgischen Auftrag hat. Nicht unwichtig waren hier auch die Studien zu den alten byzantinischen Weiheformularen durch einige Theolog*innen.
Von diesem Exkurs in die orthodoxe Welt – ausgehend vom Ökumenischen Kongress in Osnabrück 2017 – zurück in die römischkatholische: Eine wichtige weltkirchliche Entwicklung war die Amazonas-Synode im Oktober 2019, die mit großer Spannung erwartet und beobachtet worden war. Das Thema Diakonat der Frau war schon vorab häufig als dringlich erwähnt worden und wurde während der Synode in zahlreichen Statements zur Sprache gebracht. Im Abschlussdokument hatte man die Formulierungen zum Diakonat der Frau dennoch betont vorsichtig gehalten; nach dem Textabschnitt zum Pflichtzölibat für den Priester verzeichnete dieser Abschnitt die meisten Gegenstimmen. Gleichwohl war der Wunsch nach einer Diakonatsweihe für Frauen „von vielen Frauen, aber auch von mehreren Bischöfen … vorgetragen worden“.Link zu Fußnote Nr. 9 Ausdrücklich betont wurde im Nachgang, dass dieser Wunsch ursprünglich aus den Konsultationen der Menschen im Amazonasgebiet selbst gekommen sei. Im nachsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ vom 2. Februar 2020 erwähnte Papst Franziskus diese Möglichkeit mit keinem Wort – ähnlich fehlte eine mit ebenso großer Spannung erwartete klärende Aussage zu möglichen Ausnahmen vom Pflichtzölibat für Priester. Jedoch versprach er die Einsetzung einer neuen Kommission zum Frauendiakonat, die inzwischen bereits arbeitet. Diese zweite vatikanische Kommission ist weniger mit Historiker*innen als vielmehr mit systematisch-theologischen Wissenschaftler*innen besetzt, aber auch dieses Mal zumindest bezüglich ihres Geschlechts (weniger von der theologischen Position) paritätisch. Die Mitglieder stammen aus den USA, Spanien, Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich.Link zu Fußnote Nr. 10 Deutlich intransparenter blieb dieses Mal jedoch das Verfahren der Besetzung dieser Kommission. Ob die Besetzung inhaltlich ausgewogen ist, scheint fraglich. Zum Ausgang dieser Beratungen fällt es schwer, Genaueres zu prognostizieren, da die Beratungen geheim gehalten werden. Möglicherweise wird auch dieses Mal keine Einigkeit erzielt werden.
Der entscheidende „Knackpunkt“ der innerkirchlichen und – theologischen Diskussion ist und bleibt die Frage nach der Einheit des Weihesakraments. Es gibt eben keine drei verschiedene Arten von Weihen, sondern nur die eine sakramentale Weihe in drei Stufen – so in Kürze die eine Argumentation. Lässt man nun Frauen zu der einen Stufe zu, so ist damit zugleich die Zulassung von Frauen auch zum Priester- und Bischofsamt präjudiziert. Das ist so nicht haltbar, sagen die anderen: Es handelt sich hier nicht um Stufen, sondern um unterschiedliche Ausprägungen des einen Weihesakraments, was ja bereits in den Formulierungen des Zweiten Vatikanums (LG) zu erkennen sei und nicht zuletzt in dem Unterschied bezüglich der Zölibatsverpflichtung bei Bischof/Priester einerseits und Ständigem Diakonat andererseits zu sehen sei. Eine Klärung in dieser Frage schien sich anzubahnen, als Papst Benedikt XVI. 2009 in dem Motu proprio „Omnium in mentem“ die Sakramentalität der Diakonatsweihe zwar bestätigte, den Diakonen aber das Handeln „in persona capitis“ absprach. Er wies ihnen statt dessen – da sie keine eucharistische Vollmacht besitzen – einen „Rangplatz“ unter den beiden anderen Ämtern zu und sprach dem Diakon die „Vollmacht, dem Volk Gottes in der Diakonie, der Liturgie des Wortes und der Liebe zu dienen“ (can. 1009 §3) zu. Manche vermuteten offen, dass der Papst diese deutliche Trennung vom priesterlichen Dienst auch vollzogen habe, um eine Tür zu öffnen für eine Zulassung von Frauen zum Ständigen Diakonat. Dies erwies sich jedoch als Trugschluss.
» Der entscheidende „Knackpunkt" ist die Frage nach der Einheit des Weihesakraments. «
Ein weiterer alternativer Ansatz, der einen Ausweg aus der Diskussion um die Einheit des Weihesakraments bieten könnte, ist der, die Weihe von Frauen zu einem Amt sui generis zuzulassen, das weder dem sakramentalen Weiheamt zuzurechnen ist, noch dem (hauptamtlichen) Dienst von Laien. Dieses Amt einer „Gemeindediakonin“ wäre dann mit einer nicht-sakramentalen Segnung versehen. Dieser Vorschlag, den Kardinal Walter Kasper bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2013 prominent vorgetragen hatte, wird bis heute immer wieder diskutiert – ihm wird ebenso regelmäßig widersprochen; wohl, weil nicht einsichtig wird, was dieses nicht-sakramentale Laienamt mit keinem Zuwachs an Kompetenzen in dem großen Orchester der kirchlichen Dienste noch an zusätzlichem Klang einbringe und ob es wirklich noch gebraucht werde.
In der Rückschau des Versuchs, mit Hilfe der ersten päpstlichen Kommission die historische Faktenlage endgültig zu klären, muss kritisch angemerkt werden – was eigentlich vorab schon zu vermuten war –, dass bei einem Austausch rein historischer Fakten man nicht zu einem eindeutigen Ergebnis kommen kann. Dieser Streit wurde schon in den 1970er Jahren zwischen dem vom Vatikan zu entsprechenden liturgiewissenschaftlichen Studien beauftragten italienischen Theologen Cipriano Vagaggini und dem mit einer eigenen ausführlichen Studie antwortenden französischen Liturgiewissenschaftler Aimé-Georges Martimort ausgefochten – ohne Ergebnis. Denn: Unbestritten ist zwar, dass es Frauen in der Geschichte der Kirche gegeben hat, die als „diakonissa“ oder als „diakona“ bezeichnet wurden, amtliche Dienste in der Kirche ausgeübt haben, bei Sakramenten mitgewirkt haben und auch eine Weihe empfingen. Aber spätestens bei der Diskussion um die (sakramentale oder nicht-sakramentale) Qualität dieser Weihe geben die vorhandenen überwiegend ostkirchlichen Dokumente kein eindeutiges Bild ab und zudem verschwindet das Ständige Diakonat noch lange bevor der Begriff des Sakraments im 12./13.Jahrhundert definiert wird. Es war also abzusehen, dass das Unterfangen, diese Frage historisch zu klären, von vorneherein zum Scheitern verurteilt war. Wichtig erscheint mir eher die Erkenntnis, dass es in der gesamten Zeit der Kirchengeschichte, weder im Osten noch im Westen nie ein überregionales oder sogar gesamtkirchliches Konzil gab, dass die Zulassung von Frauen zur (sakramentalen) Diakonatsweihe ausdrücklich verbot. Ohnehin kann es nicht darum gehen, altkirchliche Ämter und Praktiken in die heutige Situation der Kirche hinein zu kopieren.Link zu Fußnote Nr. 11 Diese Erkenntnis eröffnet die Möglichkeit und nötigt geradezu dazu, die Frage ekklesiologisch und pastoraltheologisch zu weiten, in dem Sinne: Was ist eigentlich Sinn und Auftrag des kirchlichen Amtes? Und noch grundsätzlicher: Was ist Sinn und Auftrag der Kirche? Und braucht es dazu heute Frauen im (sakramentalen!) Diakoninnenamt, um den Auftrag der gesamten Kirche zu erfüllen? Unzweifelhaft wird zum Profil des gegenwärtigen Pontifikats bereits jetzt und spätestens im Rückblick zählen, dass Franziskus immer wieder zu einer Wandlung der Kirche hin zu einer diakonischen Kirche im Sinne des armen Wanderpredigers aus Galiläa gerufen hat.
Ein letzter Spot gilt dem Kirchenrecht. Was sagt es zu unserer Frage? Die Antwort ist eindeutig: In can. 1024 von 1983 steht, dass die heilige Weihe gültig nur ein getaufter Mann empfangen kann. Dies gilt auch für den Ständigen Diakonat. Einen solchen Kanon zu ändern ist möglich, was auch die Änderung der cc. 1008f. durch das oben erwähnte Motu proprio von Papst Benedikt XVI. gezeigt hat. Der weltkirchlichen Praxis des Ständigen Diakonats angemessener wäre es jedoch, wenn Ortskirchen (oder Metropolitanverbände) die Möglichkeit nutzen würden, eine partikularrechtliche Ausnahmeregelung von diesem Kanon zu erbitten.Link zu Fußnote Nr. 12 Angesichts der Aufforderung von Papst Franziskus zur Dezentralisierung der katholischen Kirche und insbesondere in Anbetracht der ohnehin vorliegenden Vielgestalt der Einführung des Ständigen Diakonats in den Ländern dieser Erde insgesamt, erscheint ein solcher Vorschlag ausgesprochen wegweisend.
» Die Entscheidung braucht eine profilierte Theologie des Diakonats und eine Neubesinnung auf die gesamte Ämtertheologie. «
Aber zurück zur aktuellen Situation im Jahre 2020: Die Amazonas-Synode ist ohne wirklich erkennbare Bewegung in diesem Punkt zu Ende gegangen, inzwischen tagt eine zweite vatikanische Kommission. Und in Deutschland findet derzeit der weit über die Grenzen beachtete sogenannte „Synodale Weg“ statt, dessen Ergebnisse nächstes Jahr in die weltweite Synode einfließen werden.Link zu Fußnote Nr. 13 Ursprung des deutschen Synodalen Weges ist das Erschrecken über die Ausmaße des Missbrauches von Kindern in der katholischen Kirche durch Kleriker. Deutlich geworden waren auch die systemischen Ursachen, die mit dem Stichwort „Männerklüngel“ bezeichnet wurden, und die deutlich gemacht haben, dass Frauen mehr Verantwortung in der Kirche übernehmen sollten. Das Zentralkomitee der deutschen KathoIiken (ZdK) als Vertretung der Laien in der deutschen Kirche ist Mitträger dieses Prozesses neben den Bischöfen. Dieses ZdK hat als einen von 4 Hauptpunkten das Thema "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche" durchsetzen können. Im Vorfeld dieses Synodalen Weges haben sich – 50 Jahre nach dem Votum der Würzburger Synode! – viele Stimmen von bischöflicher Seite und von verschiedenen Laienorganisationen ausgesprochen klar und deutlich für eine Wieder-Einführung des Diakonats für Frauen ausgesprochen, überraschend deutlich auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Bätzing.Link zu Fußnote Nr. 14 Er schlägt sogar konkret den oben skizzierten kirchenrechtlichen Lösungsweg vor. Inzwischen ist der Synodale Weg in Deutschland kurz vor seinem Abschluss. In erster Lesung war ein theologisch fundierter eigenständiger Text zum Diakonat mit großer Mehrheit angenommen worden. In diesem Text wurde ein klarer Akzent auf die Verknüpfung von Diakonat und einer neuen Gestalt des sakramentalen Amtes in einer dienenden Kirche gelegt. Aufgrund der Zeitknappheit mussten für die zweite Lesung Texte gekürzt und zusammengefasst werden. Es ist zu vermuten, dass in der endgültigen Fassung der Diakonat zwar einen wichtigen Schwerpunkt bilden wird, aber zusammen mit der Zulassung von Frauen zu allen Ämtern in einem Text behandelt werden wird. Meiner Ansicht nach täte es der Kirche, ihrer Ämterstruktur und dem Diakonat um des diakonischen Profils der Kirche willen gut, wenn diese Fragen klar getrennt würden. Damit gäbe es in der Zulassung von Frauen zum Ständigen Diakonat zusätzlich die Chance einer diakonischen Profilierung dieses Amtes, seiner Abhebung vom Priestertum und damit seiner Stärkung. Denn diese beschriebenen unterschiedlichen Facetten des Themas zeigen m. E. eines ganz deutlich: Eine theologisch tragfähige Entscheidung wird nicht ohne eine klar profilierte Theologie des Diakonats und damit ohne eine Neubesinnung auch auf die gesamte Ämtertheologie zu fällen sein. Wahrscheinlich ist sie deshalb auch so schwerfällig. Mehr noch – mir scheint die Debatte tatsächlich auch massive Gegensätze in der Christologie zu offenbaren: Geht es in der Kirche um eine Nachfolge Jesu, des armen Wanderpredigers aus Galiläa, des „Christus diakonos“, der an der Seite der Armen und an den Rand Gedrängten stand und im Abendmahlssaal den Zwölf die Füße wäscht?Link zu Fußnote Nr. 15 Oder geht es beim Amt um die Repräsentation des „Christus capitis“, des erhöhten nachösterlichen Pantokrator, der im Abendmahlssaal die Erinnerungsfeier seines Kreuzesopfers begründete und schließlich siegreich auferstand? Papst Benedikt hebt in seinem Motu proprio eher den Christus diakonos vor und grenzt ihn vom Christus capitis ab. Doch ist eine solche Abgrenzung richtig? Ist nicht Jesus zugleich der Christus, somit der Christus diakonos zugleich der Christus capitis? Müsste also nicht beides viel mehr zusammen gedacht werden? Es bleibt zu hoffen, dass das weltweite synodale Miteinander neue diakonische Perspektiven für die Kirche bringen wird.